Exkursion Mauthausen: Ein grauer, kalter Novembertag in einem Ort des Grauens

Als Lehrerin für Politische Bildung und Zeitgeschichte ist eines meiner zentralen Themen der Nationalsozialismus. In der Klasse kann ich berichten, Videos zeigen, auf 1000 Fragen antworten – aber nichts kann die Erfahrung ersetzen, eine Gedenkstätte, in unserem Falle, Mauthausen, zu besuchen.  Vor Ort werden Workshops mit erfahrenen Mauthausen-Pädagogen und -Pädagoginnen durchgeführt und die Schüler und Schülerinnen werden beim Rundgang durch das Lager begleitet.

In diesem Sinne habe ich einen Bus für meine drei PBZG-Klassen gebucht (2eS, 2fS, 3aS) und die Professoren und Professorinnen für Deutsch eingeladen, mitzufahren, und auch das Thema in ihren Unterrichtsstunden zu bearbeiten. 

Die Workshops erfolgten in sechs Gruppen. Jede der Gruppen wurde zusätzlich von einem/einer Klassenlehrer/in begleitet.

Es folgen vier Ausschnitte aus Berichten der Schüler und Schülerinnen der 2eS (betreut von ihrer Deutschprofessorin Sandra Liebherr).

Als wir ankamen, gefiel mir die Atmosphäre, weil es gepasst hat, dass es nebelig war. Am Anfang ging es mir relativ gut. Ich war neugierig, sehr gespannt, was uns erwarten würde. […] Wenn man vom Fußballplatz der Soldaten geradeaus sah, konnte man das Krankenlager der Häftlinge sehen. Auch dort bekamen sie keine Hilfe. Sie mussten auf sich selbst aufpassen. […] Wegen des Nebels sahen wir die Todestreppe nicht, wo die Inhaftierten mit schweren Steinen auf dem Rücken die Treppe hochmarschierten. Uns war so kalt. Ich hatte dicke Kleidung an, aber die Häftlinge hatten nichts und mussten das Ganze durchstehen – in dieser Kälte arbeiten. Manche erfroren. […] Vielleicht erzähle ich meinen Eltern davon und wir können im Sommer hinfahren. (Sümeyye)

Ich habe mich total schlecht gefühlt, als ich auf einem Denkmal gelesen habe: „Nach der Ankunft in Mauthausen wurden uns unsere Kinder und Säuglinge aus den Händen gerissen und getötet.“ Nach diesem Satz brach ich in Tränen aus. Das sind Kinder, die nichts Schlimmes in ihrem Leben gemacht haben und dann so unmenschlich bestraft werden, auch die Erwachsenen. […] Meine Urgroßmutter hat mir dieses Jahr erzählt, dass ihre Eltern auch in Mauthausen umgekommen sind, was mich sehr traurig gemacht hat. Ich habe auch versucht, die Namen meiner Ururgroßeltern zu finden, aber wir hatten keine Zeit mehr. (Zuhreta Rasimoska)

[Vor dem Ausflug] hatten wir in der Schule darüber gesprochen und als ich es hörte sagte ich zu mir: „Das ist schrecklich.“ Aber als wir dort waren, wo die Häftlinge die Schmerzen erlitten haben, war mir ganz furchtbar schlecht, weil ich hautnah sehen konnte, wo sie geduscht, geschlafen, gearbeitet haben. Als wir in die Gaskammer und in die Genickschussecke kamen, wurde mir am ganzen Körper kalt. (Seyit)

Die Exkursion war sehr emotional für uns alle. Ich musste auch bei manchen Erzählungen weinen, da sie mich sehr berührt haben. Die Bestrafungen, die die Häftlinge erhielten, wenn sie einen Fehltritt begingen waren brutal und herzlos. Kein Mensch hat es verdient, so behandelt zu werden – nur aufgrund der krankhaften Ideologie eines wahnsinnigen Rassisten. Diese Handlungen zeigten mir, wie grausam Menschen sein können und ein großer Teil auch sehr ignorant. Ich hoffe sehr, dass wir und der Rest unserer Völker aus dieser Geschichte gelernt haben. […] Ich bin mir sicher, dass es auf dieser Welt solche Lager gibt und immer noch solch grausame Taten begangen werden. Menschen wurden dazu gemacht, in Frieden zu leben und sich mit Respekt, Akzeptanz und Toleranz gegenüberzutreten und nicht, um sich zu bekriegen und unseren Nachfahren diesen Hass zu lehren. (Ajla)

Exkursion Mauthausen 2020
Exkursion Mauthausen 2020
Exkursion Mauthausen 2020
Exkursion Mauthausen 2020

Am Schluss steht immer die Frage: Da gab es doch Menschen, die in der Umgebung gelebt haben,
das KZ ist weithin sichtbar. Hat niemand geholfen? Warum?

Die weithin sichtbare Lage auf einem Hügel führt vor Augen, wie sehr die Konzentrationslager in die NS-Gesellschaft integriert waren. Die Existenz der Konzentrationslager wurde nicht verheimlicht, sondern war allgemein bekannt. Details nahmen die in der Nähe Wohnenden oder Arbeitenden wahr. Menschen aus dem Ort Mauthausen konnten den Fußmarsch der Häftlinge vom Bahnhof zum Lager beobachten, Bewohner der nahen Bauernhäuser und Zivilarbeiter im Steinbruch wurden zu Zeugen von Verbrechen im Lager. Viele reagierten mit Zustimmung, andere mit Gleichgültigkeit, weitere mit Empörung, fast alle mit Schweigen.“ https://www.mauthausen-memorial.org/de/Teilnehmen/Vor-und-Nachbereitung/Themen

Mag. Gabriele Fromwald (PBZG)